Meinung: Energiepreis - Wahrnehmung und harte Zahlen...

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Vor Kurzem schlugen die Wellen der Entrüstung hoch, als die neue EEG-Umlage verkündet wurde. Und: Ja, eine solche Steigerung hatte auch ich nicht erwartet. Interessanterweise kommt der Löwenanteil der Steigerung nicht aus dem Kapazitätszuwachs erneuerbarer Energien. Die Gründe für den starken Anstieg der Umlage sind vielmehr in der zugrundeliegenden Berechnungsformel und der Preisbildung an der Strombörse zu suchen (die dazu führen, daß Solarstrom um die Mittagszeit meist sehr preisgünstig angeboten wird, was wiederum dazu führt, dass der Preisabstand zwischen "normalem" und PV-Strom groß ist und die EEG-Umlage in die Höhe treibt.. Siehe auch: Merit-Order und AusglMechV). Und auch ein bischen an der Tatsache, daß es in der Industrie offensichtlich einen Trend gibt, die lästigen Zusatzkosten durch die EEG-Umlage nach Möglichkeit loszuwerden (siehe z.B. hier).

Jedenfalls löste die Erhöhung die erwarteten Reflexe aus. Am Besten gefiel mir in diesem Zusammenhang Herr Rainer Brüderle (FDP), der in Bezug auf die Solarförderung in Deutschland von "Ökosnobismus" sprach. Ein schönes Wort - ich habe keine Ahnung, was er damit gemeint haben könnte. Vielleicht sollte er sich die aktuellen Vergütungssätze einmal genauer ansehen. Wie auch immer...
Noch mehr hat mich aber erstaunt, daß im allgemeinen Empfinden offenbar die EEG-Umlage als alleiniger Strompreistreiber des letzten Jahrzehnts wahrgenommen wird. Die Daten, die ich nach einer kurzen Internetrecherche (Quelle: Wikipedia) gefunden habe, sprechen eine ganz andere Sprache:

Strompreisentwicklung von 2000-2011
Das Diagramm zeigt die Preisentwicklung von Haushaltsstrom in Deutschland sowie die EEG-Umlage von 2000 bis 2011. Dabei wurden die Preise pro kWh aus dem Jahr 2000 als Basis zu Null gesetzt. Die Kurven zeigen die Entwicklung seither - also den Preiszuwachs. Es sind zwei Dinge sofort zu erkennen:
1. Strom ist im Beobachtungszeitraum deutlich teuerer geworden.
2. Die EEG-Umlage ist nicht der Hauptverursacher des Preisanstiegs.

Diese Beobachtungen führten bei mir sofort zu zwei weiteren Fragen:
1. Woher kommt der Preisanstieg, der nicht aus der EEG-Umlage stammt?
2. Wie hat sich der Preis anderer Energieträger im entsprechenden Zeitraum verändert?

Die Antwort auf 1. ist einfach:
Ich weiß es (noch) nicht. Ich werde aber nachforschen.
Die Antwort auf 2. ist nach einer kurzen weiteren Recherche auch nicht schwierig, aber einigermaßen erstaunlich d.h. das Ergebnis widerspricht dem Empfinden, daß lediglich der Strom ständig mehr kostet: Während Strom im beobachteten Zeitraum um etwas über 80% teuerer wurde, hat Rohöl (nicht Benzin, Diesel oder Heizöl in Deutschland sondern Öl auf dem Weltmarkt) auf EUR-Basis um ca. 150% zugelegt, auf US-Dollar-Basis sogar um beinahe 300% (Quellen: Ölpreise: spiegel.de, Dollarkurse: finanzen.net)!

Preisentwicklung bei Strom und Oel 2000-2011
Der lange Zeit hohe Euro-Kurs hat uns hier vor den schlimmsten Preisspitzen "beschützt". Das Diagramm hat insbesondere was den Ölpreis in EUR angeht, Schwächen. Wenn Sie also selbst nachrechnen, kommen Sie evtl. auf etwas andere Werte. Die "Tendenz" ist aber sicher dieselbe: Energie kostet Geld und Energieträger wie z.B. Erdöl sind zwar volatil im Preis, aber sie werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Zukunft teurer und nicht billiger. Ganz im Gegensatz zu Energie aus Wind und Sonne, die aufgrund der Weiterentwicklung immer günstiger wird.
Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, daß in Deutschland mittels PV eine kWh Strom derzeit für unter 13 Ct hergestellt werden kann. Das ISE hat in einer entsprechenden Studie unter anderem angemerkt, daß die Einspeisung von PV-Strom gut planbar ist. Für Sonne und Wind stehen Methoden zur Energieerzeugung bereit, die im Gegensatz zu Atomkraftwerken keine katastrophalen Gefahren darstellen und keine Altlasten nach sich ziehen.
Wenn es also Snobismus ist, günstigen umweltverträglichen Strom herzustellen, dann bin ich jederzeit bereit ein Ökosnob zu sein!