Was kostet PV-Strom?

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Nachdem ich meinen letzten Beitrag geschrieben hatte, stellte sich mir die folgende Frage: Was "kostet" eigentlich eine kWh PV-Strom in Deutschland im Durchschnitt? Oder genauer: Wie hoch ist die durchschnittliche Einspeisevergütung pro kWh über alle installierten PV-Anlagen? Und was natürlich interessanter ist: Wie wird sich dieser Preis in den nächsten Jahren verändern?

Obwohl viel über die EEG-Umlage und die Kosten der Energiewende geredet wird, habe ich zu den oben aufgeführten Fragen, keine direkten Antworten gefunden. Ich war also gezwungen, mir mein eigenes Modell zu basteln. Es basiert für die zukünftige Entwicklung der Einspeisevergütung auf den aktuellen Randbedingungen durch das EEG (monatliche Absenkung der Vergütung, Deckelung des PV-Zubaus bei 52 GWp, Förderung einer Anlage über 20 Jahre) und geht davon aus, daß der Zubau etwa im gleichen Tempo weitergeht, wie das in 2012 der Fall war.
Außerdem habe ich an einigen Stellen die Betrachtung vereinfacht. Ich denke aber, das Ergebnis liegt nicht allzuweit von der Wahrheit entfernt und sieht so aus:


Die durchschnittliche Einspeisevergütung wird demnach schon sehr bald unter das Niveau des Preises für Haushaltsstrom absinken. Und das obwohl praktisch alle Altanlagen mit sehr hohen Vergütungssätzen noch innerhalb der Förderung sind. Abhängig von den Strompreissteigerungen wird das bereits 2014 oder 2015 passieren. Ab 2017 wird einige Jahre ein fast gleichbleibendes Niveau bei ca. 23 Ct gehalten, bevor ab 2024 die durchschnittliche Vergütung dann stark ins Rutschen kommt um ca. 2037 bis auf Null abzusinken. Richtig: Null! Ab ca. Ende 2037 werden keine Kosten durch Solarförderung mehr anfallen. Vorraussetzung hierfür ist, daß der Zubau so weitergeht wie bisher - dann  sind die 52 GWp ungefähr 2017 erreicht. Beschleunigt sich der Zubau, wird der Deckel von 52 GWp vorher erreicht und die Förderung läuft vorher aus. Aber auch nach 2037, wenn die letzten Anlagen aus der Förderung gefallen sind, werden diese Anlagen noch Strom produzieren. Und zumindest die Anlagen, die ab ca. 2010 gebaut wurden und die zukünftig gebaut werden, produzieren diesen Strom - gemessen an den jetzigen und zu erwartenden Strompreisen - sehr günstig.
Da die Stromgestehungskosten von PV-Strom bereits jetzt unter den Preisen für Haushaltsstrom liegen und aufgrund niedrigerer Panel- und Installationskosten weiter fallen, wird sich der Preisvorteil von PV-Strom gegenüber "Normal-Strom" weiter vergrößern. Der Graph oben zeigt neben der Strompreisentwicklung der letzten 11 Jahre (rot) auch, wo der Strompreis bei einer jährlichen Steigerungsrate von 1 bzw. 3% im Jahr 2040 angekommen sein wird (die beiden gestrichelten roten Linien). Wie schon in meinem letzten Beitrag dargelegt, ist die EEG-Umlage auch in ihrer jetzigen Höhe (5,277 Ct/kWh für 2013) für weniger als 40% des Gesamtanstieges verantwortlich - ein weiterer Preisanstieg ist somit selbst bei gleichbleibender oder sogar fallender EEG-Umlage sehr wahrscheinlich.

Wenn ich alle mir zur Verfügung stehenden Information "verwerte" kann ich nur sagen, die Erzeugung von Strom aus Sonne macht sowohl ökologisch als auch ökonomisch Sinn. Die Art und Weise wie Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland gefördert wurde und wird, hat mit Sicherheit Schwächen, hat es aber geschafft einen Markt heranreifen zu lassen, in dem bald keine staatlichen Subventionen mehr erforderlich sein werden um den weiteren Ausbau von Solarstrom voranzutreiben.
Manchmal drängt sich mir der Eindruck auf, als hätte die Bundesregierung mit dem EEG den "solaren" Geist aus der Flasche gelassen. Einige Kräfte haben über die letzten Jahre immer wieder versucht, diesen Geist zu bändigen, sind bisher jedoch jedesmal gescheitert. Meines Erachtens zum Glück für die Energieversorgung Deutschlands. Denn langfristig wird der dezentral erzeugte Sonnenstrom zu einer erheblichen Strompreisdämpfung führen. Wenn jetzt noch Anreize geschaffen werden, die die Speicherung von Strom verbilligen und verbessern, dann sehen wir - energiemässig betrachtet - einer sonnigen Zukunft entgegen.